newrizon präsentiert sich als Heilsbringer nach dem Aldi-Prinzip

Windkraftbranche unterstellt Täuschung

von Marco Bernardi

Am 19.07.2016 gab sich die newrizon GmbH im Dückerstieg die Ehre. Man lud zur Präsentation des neuen Geschäftsmodells, dessen Entwicklung nach Bekunden des Geschäftsführers Cartano Poburski 30 Jahre gedauert hatte.

Dies war auch schon das erste Bemerkenswerte dieses Abends. Lange vor dem Stromeinspeisegesetz des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und in der Folge dem EEG, hatte der "Systemarchitekt" Poburski die Idee, mit Windkraft den finanziellen Niedergang der ländlichen Gemeinden zu stoppen.

An jenem 19. Juli 2016 hatten sich Poburski und seine Mannen aufgemacht, um ihr Baby in Neuendorf-Sachsenbande das Licht der Welt erblicken zu lassen.

Es wurde eine schwere Geburt und ob das Baby lebensfähig ist, bleibt fraglich. Zumal das Erstgeborene in Mecklenburg-Vorpommern bereits laut Zeitungsbericht vom 05.12.2016 das Stadium der Wehen nicht verlassen konnte.

Verlassen wir nun die metaphorischen Sphären und wenden uns der Veranstaltung zu.

Grundgedanke hinter newrizon ist das Abschöpfen von Gewinnen aus, per EEG zwangsverordneten, Stromkosten. Nach Meinung von newrizon würden hierdurch 500.000 Euro in die Gemeindekasse sowie weitere 400.000 Euro in die Region fließen. Außerdem werde im Jahr 10.000 Euro Gewerbesteuer gezahlt.

Man stellte sich als Gesellschaft mit humanem und sozialen Gewissen dar, um im nächsten Satz darzulegen, dass diese Gelder nur realisiert werden können, wenn man durch Steuersparmodelle dem Staat dieses Geld vorenthält. Was daran human und sozial sein soll, möge newrizon einmal erklären. Verwendet der Staat doch diese Gelder, um humane und soziale Aufgaben erledigen zu können.

Das Aldi-Prinzip wurde von Kluas-Michael Rothe, geschäftsführender Gesellschafter der newrizon GmbH, als leuchtendes Vorbild für newrizon proklamiert. Es war bemerkenswert, dass die anwesenden Landwirte nicht lautstark protestierten, ist Aldi mit Dumpingpreisen im Einkauf doch mitverantwortlich für die Misere der Milchwirtschaft. Nun wollen sie sich schon wieder in die Abhängigkeit einer Firma begeben, die mit genau diesem Prinzip auf "Bauernfang" geht.

Das Steuersparmodell soll über ein fragwürdiges Konstrukt mittels Gesellschaften und Stiftungen realisiert werden. Ob dieses Konstrukt überhaupt legal ist, wäre noch zu überprüfen. Erste juristische Einschätzungen sehen zumindest große Fragezeichen.

newrizon konnte, oder wollte, keine Antwort darauf geben, was passiert, wenn der Wind"park" pleitegeht. Auch konnte newrizon kein realisiertes Projekt vorstellen, so dass die genannten Gewinne reine Fiktion sind. Auch wurde nicht dargelegt, mit wieviel Vollaststunden gerechnet wird. Da sogar in Baden-Württemberg unrealistische 2.200 Vollaststunden im Jahr für Ertragsberechnungen angesetzt werden, kann davon ausgegangen werden, dass hier ebenfalls unrealistische 3.000 Vollaststunden zugrunde gelegt werden. Realistisch wären ca. 1.800 Vollaststunden

newrizon träumt davon, dass die WEA, 25 an der Zahl in der Wilstermarsch zu 100% von Banken finanziert werden. Ohne Eigenkapital und ohne Sicherheit. Selbst, wenn sich Banken auf ein solches Finanzierungsmodell einlassen würden, zu befürchten hätte newrizon nichts. Als GmbH steht die Firma mit dem Stammkapital von 25.200 Euro gerade.

Nach der Erstvorstellung im Dezember 2015 in Rostock wurde von Andreas Hesse vom Bundesverband Windenergie MV eingewandt: „Bürgerbeteiligung ist gut, aber sie muss realistisch sein“. Die Windkraftbranche hält das System newrizon für einen Fake. Auch wenn Gegenwind Neuendorf-Sachsenbande üblicherweise nicht mit den Ansichten der WK-Branche konform geht, ist dieser Ansicht nur zuzustimmen. Und noch etwas anderes gibt die WK-Branche im Artikel der Ostsee-Zeitung zu: Gewinn fällt auf Jahre hinaus nicht an, also auch keine Gewerbesteuer.

Lesen Sie den nicht sonderlich kritischen Artikel des SHZ: http://www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/windraeder-nach-dem-aldi-prinzip-id14328731.html und mit einem etwas kritischeren Blick in der Ostseezeitung: http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Windiges-Angebot-Buerger-sollen-mehr-Stromgeld-kassieren