Sehr geehrter Herr König,
Sehr geehrte Damen und Herren Ausschußmitglieder

Ihre Beschlußfassung zur öffentlichen Petition 25 - Windkraftanlagen; Infraschall (https://www.landtag.ltsh.de/oepetition/petitionsdetails?id=173) habe ich erhalten.

Das Ergebnis war zu erwarten.

Wie Sie jedoch zu der Einschätzung gelangen können, daß die Landesregierung zum Schutz der Bürger agiere, entzieht sich meiner Kenntnis.

Tatsache ist, daß die Landesregierung dem einzigen Meßbüro in Deutschland, das nach aktuellem Stand der Technik mit wirklich umfassendem Equipment und entsprechenden Meß-Methoden Infraschallmessungen durchführt, zu verstehen gab, daß eine Teilnahme an der Ausschreibung sinnlos sei, da man nach BImschG akkreditierte Meßbüros und Ingenieure bei der Vergabe bevorzugen werde.
Diese akkreditierten Meßbüros und Ingenieure arbeiten mit amtlich geeichten Instrumenten, welche den Infraschallbereich nur unzulänglich erfassen, da dort gemäß den Vorschriften der A-bewertete Filter zum Einsatz kommt.

Dies bedeutet also, daß in wirtschaftlicher Abhängigkeit stehende Firmen, die eine ergebnisoffene und objektive Auswertung der Ergebnisse nicht zulassen,  die Studie durchführen werden.
Das ergibt sich aus der eben genannten wirtschaftlichen Abhängigkeit sowie dem für den Meßauftrag vorhandene Equipment.
Die zu den Studien zugelassenen Meßbüros können lediglich bestätigen, daß ihre Meßergebnisse den Vorgaben der TA Lärm und der DIN 45680 entsprechen. Dies entspräche dann dem VW Abgas-Meßprinzip....

Eine kürzlich durch das GuSZ Gutachter- und Sachverständigen Zentrum für Umweltmessungen bei uns durchgeführte Innenraummessung mit einem hochempfindlichen mikrobaren Meßgerät (Frequenzbereich 0-20Hz) zeigte eine Schallbelastung von knapp 55dB bei 0,6Hz (1. Flügelharmonische) bei einer für unsere Gesundheit günstigen, für die Schallmessung jedoch ungünstigen Windrichtung und -stärke.
Auch konnten bei dieser Messung Windkraftwerke als Infraschallquelle identifiziert und deren Flügelharmonischen dargestellt werden (siehe Grafik im Anhang).

Dieses Ergebnis zeigt auch, daß bei Infraschallmessungen parallel Körperschallmessungen durchgeführt werden müssen. Das Themenfeld Körperschallmessung wird momentan durch GuSZ sowie durch Ärzte für Immissionsschutz (AEFIS) bei der Überarbeitung der DIN 45680 eingebracht.

Dass die TA Lärm sowie die DIN 45680 in den momentan gültigen Fassungen, aber auch die für das Genehmigungsverfahren wichtige DIN 9613-2 (Dämpfung des Schalls bei der Ausbreitung im Freien) nicht dem Stand der Technik entsprechen, zeigt ein aktuelles Urteil des High Court in Irland. Dort wurde der Fall von sieben betroffenen Familien, die ihre Wohnhäuser aus Krankheitsgründen nach Dauerbeschallung durch WEA (in weniger als 500m - 1km Entfernung) verlassen mußten, verhandelt. Das Urteil wird in 2017 erwartet. Demnach muß die der Windkraftwerksbauer ENERCON Schadenersatz leisten.
Außerdem werden nach diesem Urteil die Planungsrichtlinien in Irland überarbeitet, die auf einer ähnlich veralteten Grundlage basieren.
(http://www.gegenwind-neuendorf.de/index.php/gesundheit/irland-praezedenz-urteil-zur-abstandsregelung)

Als Bürger des Landes Schleswig-Holstein (hier gelten Mindestabstände von aktuell 400m, die im Zuge der Teilfortschreibung Wind des Landesentwicklungsplans bei bedarf auf 250m reduziert werden können) stellt sich mir die Frage, wie die Landesregierung und die WEA-Projektierer solche Abstände rechtfertigen können und wie der Petitionsausschuß sich dieser Sichtweise weitestgehend anschließen kann.

Ich werde eine entsprechende öffentliche Petition einreichen.

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bernardi